Maker Theater: The small Things….

Mein Streben im PC- Bau ist, etwas zu schaffen, das meiner Wahrnehmung der Technik entspricht. Ich möchte mit dem, was ich baue, ausdrücken, wie mein Zugang zu PCs ist. Auch wenn ich nur selten eine große Performancesteigerung betone, die ja durch die Verwendung von Wasserkühlung zu erwarten ist. Ich habe auch nur ganz selten Spitzen- Hardware verbaut, was ja mit der ständigen Neuveröffentlichung wahrlich schwer ist. So verrückt es klingt, ich sehe in meinen Projekten eine Art Skulptur, so wie Auguste Rodin in einem Stein schon die Büste sah, die er nur von dem Material drumherum befreien musste. Nein, ich halte mich nicht für einen Künstler, aber ich liebe sehr, was ich da tue.

Damit komme ich also zur Teilnahme an der diesjährigen Cooler Master Case Mod World Series: Alles fing damit an, dass ich zwei Mods vom AIO CPU-Kühler Masterliquid Maker 92 sah, und mich in das Design und das Konzept verliebte. Ich fragte bei Cooler Master Deutschland an, ob ich so einen Kühler bekommen könnte, und wusste zu dem Zeitpunkt nicht, dass ich heute auf die Bekanntgabe der Jurywertung warten würde. Mit der AIO in den Händen ging der Prozess los, verrückt, wie es klingt, Kontakt aufzunehmen, und  zu finden, was ich damit machen möchte. Ich wusste, ich wollte ihn in einem Hometheater- PC einsetzen, einem Rechner zum Streamen, Bilder anschauen, Musik verwalten und BluRays schauen im Wohnzimmer.

Ich erinnerte mich, dass ich früher gerne Modellbausätze zusammensetzte, und auch an die schöne Zeit, die ich dabei mit meinem Vater, der bis vor 18 Jahren noch lebte, verbrachte.

Also forschte ich nach möglichen Bausätzen, und fand die Idee, einen Kinobausatz zu verwenden, der einen Teil der Hardware aufnimmt, als Kern des Builds.

Von der Firma Walther Cornerstones aus den USA fand ich den richtigen Bausatz, und merkte schnell, dass er nicht dafür geeignet war, wie ursprünglich gedacht, auch die AIO aufzunehmen, also direkt über dem Mainboard zu sitzen, da diese dann zu stark verdeckt und blockiert wäre. Um sie nicht zu exponiert zu belassen, fand ich, ebenfalls von Walthers Cornerstone, den Hochhausbaustellenbausatz, und war sicher, daraus etwas machen zu können. Natürlich war es jetzt möglich, eine ganze Baustelle dazustellen, und ich war sicher, damit war ich am Ziel angelangt. Gleichzeitig hatte ich mich mich um Sponsoring für dieses Projekt bemüht, und nachdem neben Cooler Master auch Alphacool International und Aquatuning, AMD, Western Digital und Mayhems Solutions LTD. mir zugesagt hatten, meldete ich Projekt „Maker Theater“ in der Kategorie „Scratch Build“ bei der Case Mod World Series 2017 an- mein erster Kontest überhaupt- eine große Sache- im Maßstab 1: 87…

Ich fand auch hier wieder Lösungen, die mich reizten- eine HDD- Kühllösung aus einem PSU- Kühler zu bauen, die AIO mit neuen Tubes zu versehen und mit Blattsilber zu akzentuieren, die Hardware hängend zu montieren-in einem umgekehrten Pyramidenstumpf, den ich als Gehäuse schweißen konnte. Zudem diesen mit fluoreszierend blauem Acryl zu schließen- das sollte wohl die größte Herausforderung werden.

Nachdem also die Hardware zusammengestellt, ihre Montage geklärt, das Gehäuse gebaut und geschlossen war, fing der ganz eigene und für mich intensivste Teil dieses so schlicht klingenden Konzepts an: Die Gestaltung des Dioramas, der Momentaufnahme, der Möglichkeit, ein Bild zu schaffen, mit kleinen Gebäuden, Fahrzeugen, Baumaterial und….Menschen.

Mir ist beim Bauen klargeworden, dass ich hier nicht länger einen PC baute, sondern ein Bild, eine Szene, und ich habe mir vorgenommen, hoffentlich still und anständig genug, eine Aussage zu machen, und wer genau hinschaut, und den Eindruck zulässt, wird sie sehen können.

Technisch gesehen, ist bei dem Kino nun ein BluRay- Player, auf der linken Seite, der über der PSU gelagert ist- es befindet sich der Großteil aller Kabel in ihm, so wie die die PC- Schalter, das ITX Board von ASROCK beherbergt eine AMD A10 7890K APU, die 16GB 2400 DDR3 RAM und die 2x 1TB WD BLACK HHDs sind wassergekühlt, und ihr 3×60 Radiator wird vom Luftstrom der AIO die von der Kinoseitenwand nach unten geleitet wird mit Luft versorgt. Der Radiator leitet diese Luft in das Kinogebäude, wo sie von der PSU nach aussen gefördert wird. Nein- extrem perfekte Temperaturen sind nicht möglich- aber mein perfekt ist ein mehr als ausreichend gekühltes, stabiles System, das nicht auf High-Performance-Gaming- sondern auf Entertainment für meine Familie, Freunde und mich selbst ausgelegt ist- und das habe ich gut geschafft. Unter Full Load liegt die APU bei rund 48°C- damit kommt sie gut zurecht. Die HDD´s liegen bei 37°C- ich denke, das ist gut genug.

Die AIO habe ich schließlich mit dem Hochhausrohbau genug geschützt, und bei den Details der verschiedenen Arbeitsbereiche darauf geachtet, sie nicht zu verdecken, deswegen finden die Arbeiten untypischerweise oben zuerst statt- als Bauherr kann man das so machen. Meine Schwester wies mich allerdings darauf hin, wie denn die Arbeiter da oben hinkommen sollten…..und deshalb habe ich Ihr den Aufzug gewidmet, nebst des gesamten Gerüstweges. Ob jetzt die Schaldeckenkonstruktion, oder die Handläufe und Absturzsicherungen- ich habe die Darstellung ernstgenommen, und versucht technisch vernünftige Lösungen zu zeigen. Bei der Auswahl der Arbeiten und der Details habe ich mich hie und da selbst wiedergefunden, als Schweißer, an der Bausäge, oder auch im Kassenhäuschen, denn, ja, ich habe mal in einem Kino gearbeitet. Das macht „Maker Theater“ zu einem sehr persönlichen Build, und sogar der Beton- LKW ist ein Gruß an Joe Campbell, der diesen in seinem Video über mein Projekt Eismaschine vom letzten Jahr benutzte, oder der Kinopage, der der Muslima sein Tablett anbietet- ist ein Gruß an Karel Otten, der mich beim Design des Kinos in tiefen Details beraten hat.

Aber damit sind wir mitten im Bild, das ich zeichnen wollte- was sieht man, und was sieht man wirklich? Die Bauarbeiter- sie stehen für All die, die um mich herum die Dinge schaffen, die ich konsumiere, und das meint auch diejenigen, die die Hard- und Software dieses Rechners hergestellt oder vermarktet haben, genauso, wie diejenigen, die das Haus gebaut haben, in dem ich lebe, oder die Strasse, die zu ihm führt-egal was ich besitze- dessen Schaffer kenne ich nicht, und nehme es für selbstverständlich, dass Alles verfügbar ist- deshalb möchte ich hier mit diesem Projekt an Sie denken und Ihnen danken. Das gibt dem Projektnamen „MAKER THEATER“ seine zweite Bedeutung- neben der Anspielung auf die Cooler Master Produktserie.

Aber schliesslich nun zu den Besuchern des Kinos- wenn man genau hinsieht, findet man Menschen von allen Kontinenten, die gemeinsam zur Premiere gehen, gemischte Familien- aber keine Distanz- Und ebenso die Muslima, der orthodoxe Israeli, noch der Mann im Rollstuhl sollen auch nur irgendwie ungewöhnlich erscheinen- eine Welt mit nur einer Klasse: Mensch.

Was hat hat das auf einem PC verloren? Nun- was nicht? Ich habe durch das Internet  Kontakt zu Menschen auf der ganzen Welt, aber gemeinsam müssen wir Nachrichten hinnehmen, dass Unschuldige mit wahren Tätern verwechselt und verachtet werden, und ich hoffe, dieser leise Ton in meinem PC-Projekt sei mir erlaubt. Das Internet ist fair- es lässt Alles überall finden- warum nicht sagen, dass man für das Gute stehen will.

Ein berühmter Modder hat mir mal gesagt, Politik im Modding ist schwierig. Das ist sie immer- aber wenn ich es heute nicht sage- vielleicht komme ich nie wieder dazu- also:

Das Leben ist jetzt. Mod on.

bjpc

Bernd Joachim Puwalski

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